Turkey Rights Monitor – 33 (12-25 Dezember 2022)
Turkey Rights Monitor 31 (5 – 11 Dezember 2022)
Ausgabe 31
WILLKÜRLICHE FESTNAHMEN UND VERHAFTUNGEN
Im Laufe der Woche ordnete die Staatsanwaltschaft die Inhaftierung von mindestens 63 Personen wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung an. Im Oktober 2020 hieß es in einer Stellungnahme der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen (WGAD), dass die weit verbreitete oder systematische Inhaftierung von Personen mit angeblichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnte. Soldarity With Others hat eine detaillierte Datenbank zusammengestellt, um die Massenverhaftungen mit Gülen-Bezug seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 zu überwachen.
- Dezember: Tahir Gürdal, ein kranker Häftling, der 19 Tage lang mit Handschellen an sein Krankenbett gefesselt war, verlor sein Leben nur zwei Wochen nach der Aussetzung der Vollstreckung seiner Strafe.
GEWALTSAMES VERSCHWINDELASSEN
Von Yusuf Bilge Tunç, einem ehemaligen Angestellten des öffentlichen Dienstes, der während des Ausnahmezustands 2016-2018 per Dekret entlassen wurde und seit dem 6. August 2019 als vermisst gilt, gibt es keine Neuigkeiten. Dies scheint einer der jüngsten Fälle in einer Reihe von mutmaßlich gewaltsam verschwundenen Regierungskritikern seit 2016 zu sein.
VERSAMMLUNGS- UND VEREINIGUNGSFREIHEIT
- Dezember: Das Gouverneursamt von Bursa verbietet einen von einer Gewerkschaft veranstalteten Malwettbewerb zum Thema Gleichstellung.
- Dezember: Die Polizei in İstanbul greift in eine Demonstration gegen ein Bergbauunternehmen ein und nimmt sieben Personen fest.
- Dezember: Die Polizei in Istanbul greift in einen Protest welches auf die Situation von kranken Gefangenen aufmerksam machte ein und nimmt sieben Aktivisten kurzzeitig fest.
- Dezember: Die Polizei in İstanbul greift in eine Demonstration ein, die als Reaktion auf den Vorwurf einer Ehe eines minderjährigen (6 Jahre alt) Mädchens organisiert wurde, und nimmt 12 Personen kurzzeitig fest.
- Dezember: Die Polizei in Diyarbakır greift in einen Demonstrationszug für den inhaftierten Führer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ein und nimmt zwei Personen fest.
- Dezember: Das Gouverneursamt von Diyarbakır verhängt ein eintägiges Verbot für alle Versammlungen im Freien.
MEINUNGSFREIHEIT UND PRESSEFREIHEIT
- Dezember: Die Staatsanwaltschaft in Istanbul erhebt Anklage gegen den Journalisten İbrahim Haskoloğlu und fordert bis zu 12 Jahre Gefängnis, weil er berichtet hat, Hacker hätten persönliche Daten von Regierungswebsites gestohlen.
- Dezember: Der türkischer Verein für Meinungsfreiheit (İFÖD) meldete, dass die Twitter-Konten der Journalisten Can Dündar, İsmail Saymaz, Erk Acarer sowie die des Menschenrechtsaktivisten Eren Keskin in der Türkei auf Gelass der relevanten türkischen Behörden nicht erreichbar sind-
- Dezember: Ein Gericht in Kırklareli sperrt den Zugang zu einer Meinungskolumne sowie zu zwei Nachrichtenberichten über eine Ausgrabung in der Provinz, die angeblich von Staatsanwälten angeordnet wurde.
- Dezember: Die Staatsanwaltschaft Istanbul klagt die Journalisten Görkem Kınacı und Kürşat Yılmaz wegen einer Reportage an.
- Dezember: Die Media and Law Studies Association (MLSA) berichtet, dass 67 Personen in der Türkei im Zeitraum zwischen dem 1. September 2021 und dem 20. Juli 2022 in 41 Verfahren wegen freier Meinungsäußerung zu 299 Jahren, zwei Monaten und 24 Tagen Haft verurteilt wurden.
- Dezember: Ein Gericht in Istanbul spricht den Journalisten Hayri Tunç frei, der wegen seiner Beiträge in den sozialen Medien vor Gericht stand.
- Dezember: Ein Gericht verurteilt den linken Aktivisten Talat Oruç wegen seiner Beiträge in den sozialen Medien zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung.
- Dezember: Ein Gericht in İstanbul blockiert den Zugang zu drei Nachrichtenberichten über Vetternwirtschaftsvorwürfe gegen den Präsidentenberater Maksut Serim.
- Dezember: Die Staatsanwaltschaft in Ankara erhebt Anklage gegen 11 ehemalige HDP-FunktionärInnen wegen Beleidigung der türkischen Nation, weil diese in einer Erklärung im vergangenen Jahr auf den armenischen Völkermord Bezug genommen haben.
- Dezember: Die Staatsanwaltschaft in Istanbul erhebt Anklage gegen die Journalisten Mehmet Ferhat Çelik und Osman Akın wegen ihrer Berichterstattung über Anschuldigungen gegen Serhat Albayrak, einen Geschäftsmann mit familiären Beziehungen zum Präsidenten Erdogan.
- Dezember: Ein Gericht in Istanbul sperrt den Zugang zu mindestens sechs Nachrichtenberichten über Korruptionsvorwürfe, in die der Sohn des Präsidenten Erdogan verwickelt ist.
HUMAN RIGHTS DEFENDERS
- Dezember: Ein Gericht in Ankara spricht Fatih Kanar, einen Vorstandsmitglied des Menschenrechtsvereines (İHD), der wegen der Verbreitung terroristischer Propaganda vor Gericht stand, frei.
MINDERHEITEN
- Dezember: Der stellvertretende Parlamentspräsident Haydar Akar schaltet das Mikrofon des HDP-Abgeordneten İmam Taşçıer aus, weil er seine Rede im Parlament auf Kurdisch gehalten hat.
- Dezember: Das Oberste Berufungsgericht (Yargıtay) lehnte es ab, die von einer unteren Instanz gegen den kurdischen Politiker Selçuk Mızraklı verhängte Haftstrafe von neun Jahren, vier Monaten und 15 Tagen aufrechtzuerhalten, da die gegen ihn erhobenen Terrorismusvorwürfe nicht ausreichend untersucht worden seien. Das Berufungsgericht lehnte jedoch Mızraklıs Antrag auf Haftentlassung ab.
- Dezember: Die Staatsanwaltschaft in Ankara erhebt Anklage gegen 11 ehemalige HDP-FunktionärInnen wegen Beleidigung der türkischen Nation, weil diese in einer Erklärung im vergangenen Jahr auf den armenischen Völkermord Bezug genommen haben.
- Dezember: Ein Beamter der staatlichen Eisenbahngesellschaft in İzmir wurde auf einen Posten im Osten der Türkei versetzt, nachdem sein Vorgesetzter der Polizei mitgeteilt hatte, dass er ein Buch des inhaftierten kurdischen Politikers Selahattin Demirtaş besitze.
- Dezember: Ein Gericht in Diyarbakır verurteilt den ehemaligen HDP-Vorstandsmitglied Ramazan Dengiz wegen Terrorismus zu sechs Jahren und drei Monaten Haft.
HAFTBEDINGUNGEN
- Dezember: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied in einem Fall, dass die türkischen Behörden gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstoßen haben, indem sie Gefängnisbesuche an Wochenenden nicht zuließen, da die Besuche unter der Woche mit den Schulzeiten der Kinder kollidierten und das Familienleben der Häftlinge beeinträchtigten.
- Dezember: Jüngste Daten der Generaldirektion für Gefängnisse und Haftanstalten zeigen, dass in den türkischen Gefängnissen 49.518 Gefangene mehr untergebracht sind als ihre Gesamtkapazität beträgt, was einer Überkapazität von 15,9 % entspricht.
- Dezember: Berichten zufolge sind in einem Gefängnis in Aydın 46 Gefangene in einer für 12 Personen ausgelegten Abteilung untergebracht.
- Dezember: Der kranke Häftling Emre Abalak ist in einem Şırnak-Gefängnis ums Leben gekommen. Die Gefängnisverwaltung gab als Todesursache einen Sturz im Badezimmer an.
FLÜCHTLINGE UND MIGRANTEN
- Dezember: Berichten zufolge wurden in Bulgarien ankommende Migranten misshandelt, ihnen wurde das Recht verweigert, Asyl zu beantragen, und sie wurden in die Türkei zurückgeschickt.
FOLTER UND MISSHANDLUNGEN
- Dezember: Die Wärter eines Istanbuler Gefängnisses unterziehen die Insassin Güneş Akan einer Leibesvisitation, als sie zu einer Anhörung ins Gericht gebracht wird. Berichten zufolge zensierten die Gefängnisbehörden auch Akans Brief, in dem sie über den Vorfall berichtete, und hinderten sie daran, ein Fax an die Menschenrechtsvereien (İHD) zu schicken.
- Dezember: Die Wärter eines Gefängnisses in Antalya unterziehen den Häftling Ümit Tamur eine unangemessene Leibesvisitation.
TRANSNATIONALE UNTERDRÜCKUNG
- Dezember: Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte in einem Statement, dass die türkischen Luftangriffe im Norden und Nordosten Syriens dicht besiedelte Gebiete und wichtige Infrastrukturen beschädigten.
FRAUENRECHTE
- Dezember: Laut einem von Bianet veröffentlichter Monatsbericht, wird darauf hingewiesen dass im November mindestens 28 Frauen getötet und dass mindestens 53 Frauen Opfer von Gewalt wurden.
Turkey Rights Monitor (28.11.-4.12 2022) / Ausgabe 30
Ausgabe 30 / 20.11-4.12.2022
WILLKÜRLICHE FESTNAHMEN UND VERHAFTUNGEN
Im Laufe der Woche ordnete die Staatsanwaltschaft die Inhaftierung von mindestens 69 Personen wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung an. Im Oktober 2020 hieß es in einer Stellungnahme der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen (WGAD), dass die weit verbreitete oder systematische Inhaftierung von Personen mit angeblichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnte. Solidarität mit ANDEREN hat eine detaillierte Datenbank erstellt, um die Massenverhaftungen mit Gülen-Bezug seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 zu überwachen.
RECHT AUF LEBEN & GEWALTSAMES VERSCHWINDENLASSEN
30. November: Der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er die Türkei im Fall von Gökhan Açıkkollu, einem Lehrer, der angeblich in Polizeigewahrsam gefoltert wurde und anschließend im August 2016 starb, rügt.
Von Yusuf Bilge Tunç, einem ehemaligen Angestellten des öffentlichen Dienstes, der während des Ausnahmezustands 2016-2018 per Dekret entlassen wurde und seit dem 6. August 2019 als vermisst gemeldet ist, gibt es keine Neuigkeiten. Dies scheint einer der jüngsten Fälle in einer Reihe von mutmaßlichen Verschwindenlassen von Regierungskritikern seit 2016 zu sein.
VERSAMMLUNGS- UND VEREINIGUNGSFREIHEIT
28. November: Die Polizei in Manisa nimmt im Rahmen von Ermittlungen zu einer Newroz-Demonstration 10 Personen fest.
29. November: Das Gouverneursamt von Mardin verhängt ein Verbot aller Versammlungen im Freien für einen Zeitraum von 15 Tagen.
1. Dezember: Das Büro des Gouverneurs von Siirt verhängt ein Verbot aller Versammlungen im Freien für einen Zeitraum von 15 Tagen.
2. Dezember: Die Polizei in İstanbul greift in eine Demonstration vor einem Gerichtsgebäude ein und nimmt vier Personen fest.
FREIHEIT DER MEINUNGSÄUSSERUNG UND PRESSEFREIHEIT
28. November: Ein Istanbuler Gericht verurteilt die Journalisten Şahin Alpay, Mümtaz’er Türköne, Ahmet Turan Alkan und Ali Bulaç wegen ihrer Arbeit für die inzwischen geschlossene Zeitung Zaman zu Haftstrafen im Zusammenhang mit Terrorismus. Bulaç, Alpay und Turan wurden zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, während Türköne zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. Die Journalisten wurden erneut vor Gericht gestellt, nachdem ihre früheren Urteile vom Obersten Berufungsgericht (Yargıtay) aufgehoben worden waren.
28. November: Die Polizei in Manisa nimmt sieben Personen fest, darunter örtliche HDP-Führungskräfte, weil sie bei Newroz-Feiern und in sozialen Medien Parolen gerufen haben.
30. November: Die Polizei in Ankara hat zwei Ausländer festgenommen, nachdem sie ein Video in den sozialen Medien veröffentlicht hatten, in dem sie beim Zerreißen türkischer Lira zu sehen waren.
30. November: Ein Istanbuler Gericht hat entschieden, den Zugang zu einer Meinungskolumne über Drogenhandelsvorwürfe gegen ein hohes Justizmitglied zu sperren.
1. Dezember: Ein Gericht in Istanbul hat den Schauspieler İlyas Salman freigesprochen, der wegen Beleidigung in den sozialen Medien angeklagt war.
2. Dezember: Ein Gericht in Erzurum verurteilt den ehemaligen Abgeordneten Mahmut Alınak wegen Beleidigung des Präsidenten in einer Meinungskolumne zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis. Das Urteil wurde in einem Wiederaufnahmeverfahren gefällt, nachdem Alınaks erste Verurteilung von einem Berufungsgericht aufgehoben worden war.
2. Dezember: Ein Gericht in İstanbul hat entschieden, den Zugang zu drei Nachrichtenberichten zu blockieren, in denen behauptet wird, dass eine Hotelverwaltung eine weibliche Angestellte einer Leibesvisitation unterzogen hat.
2. Dezember: Ein Gericht in İstanbul hat entschieden, den Zugang zu drei Nachrichtenberichten zu blockieren, in denen behauptet wird, dass die Stadtverwaltung von İstanbul wegen Schulden aus der Zeit, in der der Bürgermeister der Regierungspartei angehörte, mit einem Vollstreckungsverfahren konfrontiert ist.
UNABHÄNGIGKEIT DER JUSTIZ UND RECHTSSTAATLICHKEIT
29. November: Ein bulgarisches Gericht hat einen Antrag der Türkei auf Auslieferung des pensionierten Oberst Mustafa Levent Göktaş mit der Begründung abgelehnt, dass ihm kein faires Verfahren drohe. Göktaş wird des Mordes an dem Akademiker Necip Hablemitoğlu im Jahr 2002 verdächtigt.
MINDERHEITEN
28. November: Die Polizei in Manisa nimmt 17 Personen fest, darunter auch örtliche HDP-Führungskräfte, weil sie bei Newroz-Feiern und in sozialen Medien Parolen gerufen haben.
29. November: Die Polizei nimmt in 14 Provinzen 19 Personen fest, darunter auch Führungskräfte der HDP.
30. November: Die Behörden unterbrechen den Krankenhausbesuch des Häftlings İhsan Uğur, nachdem er im Krankenhaus mit jemandem auf Kurdisch gesprochen hat. Uğur wurde zurück ins Gefängnis gebracht, ohne seine Untersuchung abzuschließen.
1. Dezember: Die Behörden misshandeln 18 kurdische politische Aktivisten, die in sechs Provinzen festgenommen wurden. Einer von ihnen, Figen Ekti, wurde im Polizeipräsidium von Ankara körperlich angegriffen.
3. Dezember: Eine transsexuelle Frau namens Melis Yağmur Hanzade wird während eines Auftritts auf der Straße in İzmir tätlich angegriffen.
HAFTBEDINGUNGEN
28. November: Berichten zufolge wurde der Häftling Cengiz Akkaya in einem Gefängnis in Konya in den letzten drei Monaten in einer Einzelzelle festgehalten.
30. November: Die Behörden unterbrechen den Krankenhausbesuch des Häftlings İhsan Uğur, nachdem er im Krankenhaus mit jemandem auf Kurdisch gesprochen hat. Uğur wurde zurück ins Gefängnis gebracht, ohne seine Untersuchung abzuschließen.
30. November: In einem Gefängnis in Ankara wurden kranke Insassen ohne Untersuchung mit Medikamenten versorgt und nicht an ein Krankenhaus überwiesen. In der gleichen Einrichtung wurde einem zuckerkranken Häftling nicht die von ihm benötigte Diätmahlzeit verabreicht.
30. November: Ein Gefängnis in Eskişehir verweigert dem kranken Häftling Mukadder Alakuş eine notwendige Operation.
FLÜCHTLINGE UND MIGRANTEN
28. November: Ein in den sozialen Medien weit verbreitetes Video zeigt, wie Asylbewerber aus der Türkei von griechischen Vollzugsbeamten misshandelt werden.
30. November: Die Polizei in Istanbul droht Uiguren, die vor dem chinesischen Konsulat in Istanbul protestieren, mit Verhaftung und Abschiebung nach China.
30. November: Mohammad Bagher Moradi, ein regimekritischer iranischer Journalist, der im Mai in Ankara verschwunden war, tauchte im Gewahrsam des Korps der Islamischen Revolutionsgarden Irans (IRGC) wieder auf. Berichten zufolge wurde er fünf Monate lang in der Türkei inoffiziell festgehalten, bevor er in den Iran abgeschoben wurde.
2. Dezember: Die griechischen Behörden weisen fünf türkische Asylbewerber, die auf der Flucht vor Verfolgung die Grenze überquert hatten, gewaltsam zurück.
FOLTER UND MISSHANDLUNGEN
28. November: Eine Anwaltskanzlei gibt bekannt, dass ihre Mandantin Gülten Matur in einer Militärzone gefoltert wurde, nachdem sie von der Polizei in İstanbul festgenommen worden war.
30. November: Die Wärter eines Gefängnisses in Eskişehir nehmen eine Leibesvisitation bei vier Häftlingen vor.
30. November: Der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er die Türkei im Fall von Gökhan Açıkkollu, einem Lehrer, der angeblich in Polizeigewahrsam gefoltert wurde und anschließend im August 2016 starb, rügt.
1. Dezember: Die Behörden misshandeln 18 kurdische politische Aktivisten, die in sechs Provinzen festgenommen wurden. Einer von ihnen, Figen Ekti, wurde im Polizeipräsidium von Ankara körperlich angegriffen.
3. Dezember: Gendarmen in Niğde misshandeln einen Mann namens Koray Türk, der sich in ihrem Gewahrsam befindet.
TRANSNATIONALE UNTERDRÜCKUNG
2. Dezember: Schweden lieferte Mahmut Tat aus, der in der Türkei wegen angeblicher Mitgliedschaft in der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Tat wurde bei seiner Ankunft in der Türkei verhaftet. Sein Asylantrag wurde 2015 in Schweden abgelehnt. Die Entwicklung erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Türkei Druck auf das nordische Land ausübte, um die Auslieferung einer Reihe von Personen zu erwirken, die wegen terroristischer Anschuldigungen gesucht wurden, als Gegenleistung für Ankaras Zustimmung zu Schwedens NATO-Mitgliedschaft.
Turkey Rights Monitor (15 – 20 November 2022)
Turkey Rights Monitor (7 – 13 November 2022)
Turkey Rights Monitor – Oktober 2022
Turkey Rights Monitor – 26 (31. Oktober – 6 November 2022)
DIE ZAHLEN
• 84 Verhaftungen wegen angeblicher Verbindung zur
Gülen Bewegung
• 205 Verhaftungen im Rahmen friedliche
Demonstrationen,
• Mindestens 1 Verhaftung und 14 Verurteilungen im
Rahmen von Meinungsfreiheit
• 24 blokierte Nachrichtenartikel
• 4 gemeldete Fälle von Folter
Turkey Rights Monitor – 24 (17-23 Oktober 2022)
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IN ZAHLEN:
• 725 Verhaftungen wegen angeblicher Verbindung zur
Gülen Bewegung
• 80 Verhaftungen im Rahmen friedliche Demonstrationen,
• Mindestens 4 Verhaftung und 4 Verurteilungen im
Rahmen von Meinungsfreiheit
• 2 gemeldete Fälle von Folter
Ausgabe 24 | Oktober 17-23, 2022
WILLKÜRLICHE FESTNAHMEN UND VERHAFTUNGEN
Im Laufe der Woche ordnete die Staatsanwaltschaft die Inhaftierung von mindestens 725 Personen wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung an. Im Oktober 2020 hieß es in einer Stellungnahme der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen (WGAD), dass die weit verbreitete oder systematische Inhaftierung von Personen mit angeblichen Verbindungen zu der Gruppe Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnte. Solidarität mit ANDEREN hat eine detaillierte Datenbank erstellt, um die Massenverhaftungen mit Gülen-Bezug seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 zu überwachen.
18. Oktober: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei wegen der Inhaftierung von 167 Richtern und Staatsanwälten nach dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 gerügt und die türkische Regierung zur Zahlung von Schadensersatz an jeden Antragsteller verurteilt. Das Urteil kam zu sechs früheren ähnlichen Urteilen hinzu, und die Zahl der Richter und Staatsanwälte, deren Anträge vom EGMR in ihren Fällen gegen die Türkei bestätigt wurden, ist auf 847 angestiegen.
18. Oktober: Die Behörden entlassen die kurdische Politikerin Gülser Yıldırım aus dem Gefängnis, vier Monate nachdem sie auf Bewährung entlassen wurde.
21. Oktober: Die Türkische Ärztekammer (TTB) hat einen Bericht veröffentlicht, in dem es heißt, dass sich der Gesundheitszustand der inhaftierten kurdischen Politikerin Aysel Tuğluk rapide verschlechtert hat und dass eine angemessene Behandlung im Gefängnis nicht möglich ist.
VERSAMMLUNGS- UND VEREINIGUNGSFREIHEIT
Die Gouverneure der Provinzen und andere örtliche Behörden verhängten folgende generelle Verbote von Versammlungen im Freien:
Datum Büro des Gouverneurs Dauer
19. Oktober Muş 15 Tage
19. Oktober Diyarbakır 1 Tag
20. Oktober Adıyaman 10 Tage
20. Oktober Şanlıurfa 3 Tage
20. Oktober Gaziantep 7 Tage
20. Oktober Tunceli 4 Tage
20. Oktober Bitlis 15 Tage
20. Oktober Şırnak 2 Tage
20. Oktober Bingöl 15 Tage
20. Oktober Elazığ 7 Tage
23. Oktober Şanlıurfa 15 TageDie pauschalen Verbote wurden vor allem in überwiegend kurdischen Städten verhängt, offenbar in Erwartung möglicher Proteste, die durch die Behauptung ausgelöst werden könnten, das türkische Militär habe im Kampf gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak chemische Waffen eingesetzt.
17. Oktober: Die Polizei greift in Ankara in einen Arbeiterprotest ein und nimmt 28 Personen kurzzeitig fest.
19. Oktober: Die Polizei in İstanbul greift in einen Studentenprotest ein und nimmt zwei Personen fest.
20. Oktober: Die Polizei in Gaziantep nimmt acht Personen wegen ihrer Teilnahme an einer Newroz-Feier fest. Die Festgenommenen wurden am nächsten Tag wieder freigelassen.
20. Oktober: Die Polizei in Istanbul greift in eine Demonstration ein, die sich gegen den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen durch das türkische Militär im Nordirak richtet, und nimmt 37 Personen kurzzeitig fest.
20. Oktober: Die Gendarmerie in Amasya nimmt drei Dorfbewohner fest, die gegen den Bau eines Industriekomplexes protestieren.
21. Oktober: Die Polizei in İstanbul greift in eine Demonstration für kranke Gefangene ein und nimmt die Aktivisten Fince Akman und Cemile Karakaş kurzzeitig fest.
MEINUNGS- UND PRESSEFREIHEIT
17. Oktober: Ein Gericht in İstanbul verurteilt den Journalisten Yusuf Karadaş zur Zahlung von Schadenersatz an ein Rüstungsunternehmen aufgrund einer von ihm verfassten Meinungskolumne.
17. Oktober: Ein Istanbuler Gericht sperrt den Zugang zu mindestens drei Nachrichtenberichten über öffentliche Ausschreibungen, die an ein dem Präsidenten nahestehendes Unternehmen vergeben wurden.
17. Oktober: Ein Gericht in Diyarbakır spricht 11 Mitglieder der Anwaltskammer frei, die wegen ihrer gemeinsamen Erklärung zum Jahrestag des Völkermords an den Armeniern vor Gericht standen.
17. Oktober: Ein Gericht in Istanbul blockiert den Zugang zu einem Bericht über die Äußerungen eines Oppositionsabgeordneten, der regierungsnahe Zeitungen kritisiert hat.
18. Oktober: Der Präsident unterzeichnet ein Gesetz, das bis zu drei Jahre Haft für Personen vorsieht, die sich der Verbreitung von „Disinformationen“ im Internet schuldig gemacht haben.
18. Oktober: Die Istanbuler Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung gegen die Journalistin Pınar Gayıp ein, weil sie in den sozialen Medien über eine Minenexplosion in der Nordtürkei berichtet hatte. Gayıp wurde von der Istanbuler Polizei zu einem Verhör vorgeladen.
19. Oktober: Der Oberste Rundfunk- und Fernsehrat (RTÜK), die türkische Rundfunkregulierungsbehörde, verhängte ein dreitägiges Sendeverbot gegen den oppositionellen Sender TELE 1 aufgrund der Äußerungen eines Oppositionspolitikers, der die staatliche Behörde für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) kritisiert hatte. Sollte die Sanktion in Zukunft wiederholt werden, wird dem Sender die Sendelizenz entzogen.
19. Oktober: Ein Gericht in Istanbul spricht die Journalisten Görkem Kınacı, Uğur Şahin und Uğur Koç frei, die wegen eines Berichts über einen Richter des Verfassungsgerichts vor Gericht standen.
20. Oktober: Ein Gericht in Van verurteilt die kurdische Musikerin Şilan Dora wegen Verbreitung terroristischer Propaganda in einem Lied, das sie auf einer Kundgebung gesungen hat, zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Das Gericht setzte die Vollstreckung des Urteils aus.
20. Oktober: Die Staatsanwaltschaft in Ankara leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die prominente Menschenrechtsverteidigerin Şebnem Korur Fincancı wegen angeblicher Verbreitung terroristischer Propaganda und Verunglimpfung des Staates ein, nachdem sie sich zu Behauptungen geäußert hatte, die Türkei habe im Kampf gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) chemische Waffen eingesetzt.
20. Oktober: Die Staatsanwaltschaft von İzmir leitet ein Ermittlungsverfahren gegen den Journalisten Bahattin Seçilir wegen eines Berichts über einen bewaffneten Angriff ein, bei dem im vergangenen Jahr ein HDP-Mitarbeiter getötet wurde.
20. Oktober: Ein Istanbuler Gericht verurteilt den Journalisten Mehmet Kızmaz und die Zeitung Cumhuriyet zur Zahlung von Schadenersatz an eine regierungsnahe Stiftung, die einen Bericht über sie veröffentlicht hatte.
20. Oktober: Ein Gericht in Istanbul hat den Zugang zu einer Meinungskolumne, einem Nachrichtenbericht und einem Tweet über Korruptionsvorwürfe gegen die Abgeordnete der Regierungspartei Zehra Taşkesenlioğlu gesperrt.
21. Oktober: Ein Gericht verurteilt den Journalisten Mehmet Emin Kurnaz zu 11 Monaten und 20 Tagen Gefängnis, weil er in einem Bericht vom Mai 2021 über angebliche Absprachen zwischen Mafia und Staat den Präsidenten und seinen rechtsextremen Verbündeten beleidigt hatte. Das Gericht setzte die Vollstreckung des Urteils aus.
21. Oktober: Die Polizei in İstanbul nimmt eine Person fest, die vor einem Gerichtsgebäude Parolen gegen den Präsidenten gerufen hat.
21. Oktober: Ein Gericht in İzmir sperrt den Zugang zu drei Nachrichtenberichten über die Behauptung, ein Mitglied der Regierungspartei habe 11 Wähler in seinem Haus registrieren lassen.
21. Oktober: Die Vereinigung für Meinungsfreiheit (İFÖD) berichtet, dass die Türkei im Jahr 2021 107.706 Websites und Domains sowie 5.436 URLs mit Nachrichteninhalten gesperrt hat.
UNABHÄNGIGKEIT DER JUSTIZ UND RECHTSSTAATLICHKEIT
18. Oktober: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Türkei wegen der Inhaftierung von 167 Richtern und Staatsanwälten nach dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 gerügt und die türkische Regierung zur Zahlung von Schadenersatz an jeden Antragsteller verurteilt. Das Urteil kam zu sechs früheren ähnlichen Urteilen hinzu, und die Zahl der Richter und Staatsanwälte, deren Anträge vom EGMR in ihren Fällen gegen die Türkei bestätigt wurden, ist auf 847 angestiegen.
21. Oktober: Der Staatsrat beschließt die Wiedereinsetzung von 178 Richtern und Staatsanwälten, die wegen ihrer angeblichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung aus dem Dienst entfernt worden waren.
HUMAN RIGHTS DEFENDERS
20. Oktober: Die Staatsanwaltschaft in Ankara leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die prominente Menschenrechtsverteidigerin Şebnem Korur Fincancı wegen angeblicher Verbreitung terroristischer Propaganda und Verunglimpfung des Staates ein, nachdem sie sich zu Behauptungen geäußert hatte, die Türkei habe im Kampf gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) chemische Waffen eingesetzt.
MINDERHEITEN
17. Oktober: Ein Gericht in Diyarbakır verurteilt die kurdische Politikerin Leyla Güven wegen der Verbreitung terroristischer Propaganda zu 11 Jahren, sieben Monaten und 15 Tagen Haft.
19. Oktober: Die Polizei in Van nimmt die örtlichen HDP-Mitglieder Muhittin Üzümcüoğlu, Abdullah İşleyen, Şemsettin Esen und Mürsel Sayıner fest.
20. Oktober: Ein Gericht in Van verurteilt die kurdische Musikerin Şilan Dora wegen Verbreitung terroristischer Propaganda in einem Lied, das sie auf einer Kundgebung gesungen hat, zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Das Gericht setzte die Vollstreckung des Urteils aus.
20. Oktober: Die Polizei in Gaziantep nimmt acht Personen wegen ihrer Teilnahme an einer Newroz-Feier fest. Die Festgenommenen wurden am nächsten Tag wieder freigelassen.
21. Oktober: Die Türkische Ärztekammer (TTB) hat einen Bericht veröffentlicht, in dem es heißt, dass sich der Gesundheitszustand der inhaftierten kurdischen Politikerin Aysel Tuğluk rapide verschlechtert hat und dass eine angemessene Behandlung im Gefängnis nicht möglich ist.
HAFTBEDINGUNGEN
21. Oktober: Ein Gefängnis in Kocaeli verweigert dem Krebspatienten Ahmet Dizlek eine angemessene medizinische Versorgung.
21. Oktober: Ein Gefängnis in Diyarbakır verhängte gegen den Häftling Yunus Özak aufgrund des Inhalts seines Briefes eine Disziplinarmaßnahme und schickte ihn für 11 Tage in eine Einzelzelle.
21. Oktober: Das Wachpersonal in einem Frauengefängnis in Bayburt beschlagnahmt persönliche Gegenstände der Insassinnen Delila Roj Erkmen und Neslihan Çetin.
23. Oktober: Ein Gefängnis in İzmir verhängte ein dreimonatiges Besuchsverbot gegen einen Häftling, weil er während eines Besuchs Bemerkungen gegenüber einem Verwandten gemacht hatte.
FLÜCHTLINGE UND MIGRANTEN
21. Oktober: Die türkische Küstenwache rettet 78 Migranten, die von Griechenland auf See zurückgedrängt wurden.
FOLTER UND MISSHANDLUNG
18. Oktober: In einem Frauengefängnis in Diyarbakır wird die Insassin Sariye Taşkesen von den Wärtern körperlich angegriffen, weil sie sich weigert, sich einer Leibesvisitation zu unterziehen.
23. Oktober: Die Polizei in Ankara greift mit übermäßiger Gewalt in einen Protest gegen eine Minenexplosion in der Nordtürkei ein und bricht einem Demonstranten namens Hasan Akman die Rippen.
TRANSNATIONALE UNTERDRÜCKUNG
18. Oktober: In Berichten pro-kurdischer Medien wird behauptet, die Türkei habe einen chemischen Angriff auf Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) durchgeführt, und es werden Videoaufnahmen veröffentlicht, die angeblich zeigen, wie die Kämpfer chemischen Waffen ausgesetzt sind. Die türkische Regierung wies diese Behauptung zurück.
Turkey Rights Monitor – 23 (10-16 Oktober 2022)
DIE WOCHE IN ZAHLEN:
- 49 Verhaftungen wegen angeblicher Verbindung zur Gülen Bewegung
- 21 Verhaftungen im Rahmen friedliche Demonstrationen,
- 3 Verhaftung und 2 Verurteilungen im Rahmen von Meinungsfreiheit
- 7 gemeldete Fälle von Folter
Ausgabe 23 | Oktober 10-16, 2022
WILLKÜRLICHE FESTNAHMEN UND VERHAFTUNGEN
Im Laufe der Woche ordnete die Staatsanwaltschaft die Inhaftierung von mindestens 49 Personen wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung an. Im Oktober 2020 hieß es in einer Stellungnahme der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen (WGAD), dass die weit verbreitete oder systematische Inhaftierung von Personen mit angeblichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnte. Solidarität mit ANDEREN hat eine detaillierte Datenbank erstellt, um die Massenverhaftungen mit Gülen-Bezug seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 zu überwachen.
- Oktober: Familienangehörige von Abdullah Aslan, einem ehemaligen Lehrer, der wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert ist, teilten den Medien mit, dass er seit seiner dritten Gehirnoperation im August nicht mehr in der Lage ist, seine linke Hand zu benutzen und sich selbst zu versorgen. Aslan leidet an einem Hirntumor.
- Oktober: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat den Antrag der Türkei abgelehnt, die Große Kammer mit einem Urteil zu befassen, in dem die Türkei wegen der Inhaftierung des ehemaligen Leiters der türkischen Amnesty-Niederlassung, Taner Kılıç, wegen Terrorismus angeklagt wurde. Kılıç, dem Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen wurden, wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
- Oktober: Die Polizei in Manisa hat Meryem Karateke, eine 29-jährige Frau, die an Multipler Sklerose leidet, wegen ihrer angeblichen Zugehörigkeit zur Gülen-Bewegung festgenommen. Ihre Schwester erklärte gegenüber den Medien, dass sich Karateke nach einer fünfjährigen intensiven Behandlung in einem gefährdeten Gesundheitszustand befinde und ihre Festnahme zu einem Rückfall führen könnte.
- Oktober: Ali Osman Ünal, ein Gefangener, bei dem während seiner Haftzeit Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde, ist tot. Ünal, ein ehemaliger Angestellter im öffentlichen Dienst, war wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert. Er wurde vier Monate nach seiner Diagnose entlassen.
GEWALTSAMES VERSCHWINDELASSEN
Von Yusuf Bilge Tunç, einem ehemaligen Angestellten des öffentlichen Dienstes, der während des Ausnahmezustands 2016-2018 per Dekret entlassen wurde und seit dem 6. August 2019 als vermisst gemeldet ist, gibt es keine Neuigkeiten. Dies scheint einer der jüngsten Fälle in einer Reihe von mutmaßlich gewaltsam verschwundenen Regierungskritikern seit 2016 zu sein.
- Oktober: Das Verfassungsgericht entschied, dass die Polizei und die Staatsanwaltschaft es versäumt haben, eine wirksame Untersuchung des Verschwindens eines ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters durchzuführen, der im November 2016 verschwunden ist.
VERSAMMLUNGS- UND VEREINIGUNGSFREIHEIT
- Oktober: Die Polizei in Ankara greift in eine Demonstration zum Gedenken an die Opfer eines Bombenanschlags von 2015 ein und nimmt 17 Personen kurzzeitig fest.
- Oktober: Ein Istanbuler Gericht verurteilt den Aktivisten Mert Karadağ wegen seiner Teilnahme an den Protesten an der Boğaziçi-Universität zu fünf Monaten Haft.
- Oktober: Das Gouverneursamt von Adana verweigert die Genehmigung für eine Veranstaltung, die die HDP anlässlich ihres Jahrestages geplant hatte.
- Oktober: Das Gouverneursamt von Mardin verbietet eine Ausstellung, die in einer Kirche stattfinden sollte.
- Oktober: Die Polizei in Istanbul greift in eine Demonstration für kranke Gefangene ein und nimmt vier Personen kurzzeitig fest.
- Oktober: Das Gouverneursamt von Hakkari verhängt ein Verbot aller Versammlungen im Freien für einen Zeitraum von 15 Tagen.
MEINUNGS- UND PRESSEFREIHEIT
- Oktober: Die Polizei in Rize nimmt Çağlayan Bozacı, den Sohn des 2015 bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommenen Osman Turan Bozacı, wegen einer Rede fest, die er während einer Gedenkveranstaltung gehalten hat.
- Oktober: Ein Istanbuler Gericht verurteilt einen Mann zu einer Haftstrafe von drei Monaten und zwei Tagen auf Bewährung, weil er in einem Beitrag in den sozialen Medien die religiösen Werte der Öffentlichkeit verunglimpft hatte.
- Oktober: Ein Berufungsgericht in İstanbul hat entschieden, eine Haftstrafe von 13 Jahren aufzuheben, die gegen den Journalisten Mehmet Baransu wegen seiner Berichterstattung über eine militärische Verschwörung verhängt worden war. Baransus Anwalt kündigte an, dass er aufgrund anderer Urteile, die ebenfalls wegen seiner Arbeit als Journalist verhängt wurden, hinter Gittern bleiben wird.
- Oktober: Eine regierungsnahe Tageszeitung veröffentlicht ein heimlich aufgenommenes Foto des Journalisten Abdullah Bozkurt, der in Schweden lebt.
- Oktober: Die Venedig-Kommission veröffentlicht eine dringende gemeinsame Stellungnahme, in der sie die türkischen Behörden auffordert, ein vorgeschlagenes Gesetz nicht zu verabschieden, das Gefängnisstrafen für diejenigen vorsieht, die sich der öffentlichen Verbreitung „falscher oder irreführender Informationen“ schuldig gemacht haben.
- Oktober: Ein Gericht in Hatay hat entschieden, den Zugang zu einer Internetadresse zu sperren, die von der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Etkin zur Veröffentlichung von Nachrichten genutzt wird.
- Oktober: Ein Gericht in Sakarya blockiert den Zugang zu einem Nachrichtenbericht über einen Militärkommandanten, der wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf 15 Soldaten verhaftet wurde.
- Oktober: Die Polizei in Konya nimmt Dilan Babat und Fırat Can Arslan, zwei für die prokurdischen Medien tätige Reporter, die über eine Beerdigung berichteten, kurzzeitig fest.
- Oktober: Das Parlament verabschiedet ein Gesetz, das Haftstrafen für Reporter und Nutzer sozialer Medien vorsieht, die „Fake News“ verbreiten.
- Oktober: Ein Gericht in Ankara verurteilt den kurdischen Politiker Selahattin Demirtaş zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, weil er sich gegen einen Staatsanwalt gewandt haben soll, der ihn angeklagt hatte.
- Oktober: Ein Gericht in Kilis sperrt den Zugang zu zwei Nachrichtenberichten und einem Tweet über ein Mitglied der Regierungspartei, das trotz seines Strafregisters Staatsanwalt wurde.
- Oktober: Die Generaldirektion für Sicherheit (EGM) kündigte Ermittlungen gegen 12 Social-Media-Accounts an, weil sie Nachrichten über eine Explosion in einem Kohlebergwerk in Bartın veröffentlicht hatten, bei der 41 Arbeiter ums Leben kamen.
AUSREISEVERBOT
- Oktober: Eine deutsche Zeitung berichtet, dass die türkischen Behörden mehr als 120 deutschen Staatsbürgern, die Ausreise verweigern, weil sie die türkische Regierung kritisieren oder sich bestimmten, von der Regierung ungeliebten Gruppen angeschlossen haben.
HUMAN RIGHTS DEFENDERS
- Oktober: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat den Antrag der Türkei abgelehnt, die Große Kammer mit einem Urteil zu befassen, in dem die Türkei wegen der Inhaftierung des ehemaligen Leiters der türkischen Amnesty-Niederlassung, Taner Kılıç, wegen Terrorismus angeklagt wurde. Kılıç, dem Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen wurden, wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
UNABHÄNGIGKEIT DER JUSTIZ UND RECHTSSTAATLICHKEIT
- Oktober: Eine Universität in Eskişehir entlässt Berichten zufolge den Akademiker Barış Işık ein drittes Mal, nachdem er zweimal per Gerichtsbeschluss wieder eingestellt worden war.
MINDERHEITEN
- Oktober: Ein Gericht in Hatay hat entschieden, den Zugang zu einer Internetadresse zu sperren, die von der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Etkin zur Veröffentlichung von Nachrichten genutzt wird.
- Oktober: Berichten zufolge reagiert ein Istanbuler Gefängnis nicht auf die Petitionen der inhaftierten HDP-Abgeordneten Semra Güzel und erlaubt ihr nicht, an gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Gefangenen teilzunehmen.
- Oktober: Der inhaftierte kurdische Journalist Ziya Ataman teilte in einem Brief mit, dass er in einer Einzelzelle festgehalten werde und nur 1,5 Stunden pro Tag ins Freie dürfe.
- Oktober: Ein Istanbuler Gericht verurteilt die Journalisten Faruk Eren und Furkan Karabay wegen Beleidigung eines Amtsträgers zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis, weil sie über die Ernennung bestimmter Staatsanwälte berichtet hatten.
- Oktober: Die Polizei in Konya nimmt Dilan Babat und Fırat Can Arslan, zwei für die prokurdischen Medien tätige Reporter, die über eine Beerdigung berichteten, kurzzeitig fest.
- Oktober: Ein Gericht in Ankara verurteilt den kurdischen Politiker Selahattin Demirtaş zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, weil er sich gegen einen Staatsanwalt gewandt haben soll, der ihn angeklagt hatte.
- Oktober: Die Polizei in Istanbul nimmt die Journalistin Meral Danyıldız kurzzeitig fest, die über den Abriss von Häusern im Rahmen eines Stadterneuerungsprojekts berichtete.
- Oktober: Die Polizei in Diyarbakır beschlagnahmt Exemplare der kurdischsprachigen Zeitung Xwebûn, die nach İstanbul geschickt werden sollten.
HAFTBEDINGUNGEN
- Oktober: Ein Gefängnis in Erzurum verweigert dem Häftling Abdulbaki Harmancı die Nährstoffe, die er aufgrund seines Gesundheitszustands benötigt.
- Oktober: Berichten zufolge reagierte ein Istanbuler Gefängnis nicht auf die Petitionen der inhaftierten HDP-Abgeordneten Semra Güzel und erlaubte ihr nicht, an gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Gefangenen teilzunehmen.
- Oktober: Der inhaftierte kurdische Journalist Ziya Ataman teilte in einem Brief mit, dass er in einer Einzelzelle festgehalten werde und nur 1,5 Stunden pro Tag ins Freie dürfe.
- Oktober: Das Wachpersonal eines Gefängnisses in Bolu beschlagnahmt persönliche Gegenstände der Insassen. Aus dem Gefängnis wurde berichtet, dass die Mahlzeiten für die Insassen unzureichend waren und ihre sportlichen Aktivitäten willkürlich eingeschränkt wurden.
- Oktober: Ein Frauengefängnis in Diyarbakır verhängt Disziplinarstrafen gegen 36 Frauen wegen ihrer Teilnahme an einem gemeinsamen Hungerstreik. Die Sanktionen wurden später von einem Gericht annulliert.
FLÜCHTLINGE UND MIGRANTEN
- Oktober: Griechenland gibt bekannt, dass 92 Migranten fast nackt und mit Prellungen gerettet wurden, nachdem sie angeblich gezwungen worden waren, den Fluss Evros von der Türkei nach Griechenland zu überqueren. Die türkischen Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.
FOLTER UND MISSHANDLUNG
- Oktober: Die Polizei in Hakkari führt eine Leibesvisitation durch und misshandelt sieben Frauen, die wegen ihrer Teilnahme an einer Demonstration festgenommen wurden.
- Oktober: Berichten zufolge wurden die Gefangenen Abdülkadir Turay, Hamdullah Öz und Yusuf Erat während ihrer Verlegung von Mardin nach Erzincan tätlich angegriffen.
- Oktober: Die Generalversammlung der Anwaltskammer Ankara hat beschlossen, einen früheren Bericht über Foltervorwürfe im Polizeipräsidium von Ankara im Januar 2022 zu veröffentlichen. Der Bericht wurde von der früheren Leitung der Anwaltskammer vertraulich behandelt, was zum Rücktritt mehrerer hochrangiger Mitglieder geführt hatte. Er betraf die angebliche Misshandlung einer Reihe von Personen, die wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert waren.
- Oktober: Süphan Çabuk, ein kranker Insasse eines Gefängnisses in Rize, ist nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstorben. Berichten zufolge wies er Prellungen am Körper auf, die auf körperliche Gewalt hinwiesen, und sein Autopsiebericht wurde seiner Familie nicht mitgeteilt.
- Oktober: Die Polizei in İstanbul misshandelt acht Personen, die sich in Gewahrsam befinden.
- Oktober: In einem Gefängnis in Edirne wird der Häftling Naci Kaya von den Wärtern körperlich angegriffen, weil er sich einer Leibesvisitation widersetzt.
- Oktober: Die Wärter eines Gefängnisses in Kocaeli greifen den Häftling Ahmet Dizlek verbal an und drohen, ihn zu töten.
- Oktober: In einem Elazığ-Gefängnis werden zwei Insassen, die unfreiwillig aus Van verlegt wurden, von den Wärtern tätlich angegriffen.
- Oktober: In einem Gefängnis in Yozgat werden drei Insassen, die aus Şanlıurfa verlegt wurden, von den Wärtern verbal angegriffen.
TRANSNATIONALE UNTERDRÜCKUNG
- Oktober: Eine regierungsnahe Tageszeitung veröffentlicht ein heimlich aufgenommenes Foto des Journalisten Abdullah Bozkurt, der in Schweden lebt. Dieselbe Zeitung hatte zuvor heimlich aufgenommene Fotos des in Deutschland lebenden Journalisten Cevheri Güven und seines Hauses veröffentlicht. Bozkurt und mehrere andere türkische Exiljournalisten waren in den letzten Jahren das Ziel körperlicher Angriffe.












